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Artikel drucken Gesetze/Richtlinien

Fleisch: Mehr Transparenz durch Herkunftskennzeichnung

Ab April 2015 muss frisch verpacktes Fleisch von Schwein, Ziege, Schaf und Geflügel mit dem Ursprungsland gekennzeichnet sein. Dies betrifft auch Fleischlieferanten der Gemeinschaftsgastronomie. Für Rindfleisch gilt die Vorschrift bereits. Was dahinter steckt, erläutert unser Experte Prof. Dr. Lutz Bertling.

In Art. 26 Abs. 2 der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel vom 25.10.2011 ist festgelegt, dass auf dem Etikett von Fleisch, das in die in Anhang XI derselben Verordnung aufgeführten Codes der Kombinierten Nomenklatur fällt, das heißt von frischem, gekühltem oder gefrorenem Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch, das Ursprungsland oder der Herkunftsort anzugeben ist (ABl. 2011; Nr. L 304/18). Dieser Forderung des Europäischen Parlaments und des Rates wurde durch die Durchführungsverordnung (EU) Nr. 1337/2013 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 hinsichtlich der Angabe des Ursprungslandes bzw. Herkunftsortes von frischem, gekühltem oder gefrorenem Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch vom 13.12.2013 nachgekommen (ABl. 2013; Nr. L 335/19).

In der Begründung dazu heißt es, dass die Notwendigkeit, die Verbraucher zu informieren, und die Mehrkosten für Unternehmer und nationale Behörden, die sich letztlich auf den Endpreis eines Produkts auswirken, gegeneinander abgewogen werden müssen. In der Folgenabschätzung und einer von der Kommission in Auftrag gegebenen Studie wurden im Hinblick auf die wichtigsten Abschnitte während des Lebens der Tiere mehrere Optionen für die Angabe des Ursprungslandes oder Herkunftsortes geprüft.

Es ergab sich, dass die Verbraucher vor allem wissen wollen, wo ein Tier aufgezogen wurde. Zugleich müssten bei einer Verpflichtung zur Angabe des Geburtsortes des Tieres neue Rückverfolgbarkeitssysteme auf der Ebene der landwirtschaftlichen Betriebe mit den entsprechenden Kosten eingerichtet werden; die Angabe des Schlachtorts ist dagegen zu tragbaren Kosten möglich und bietet den Verbrauchern hilfreiche Informationen. Was die geografische Ebene betrifft, so weisen die Untersuchungen darauf hin, dass die Angabe des Mitgliedstaats bzw. des Drittlands für die Verbraucher die wichtigste Information wäre. Nach der Vorordnung gilt deshalb: Wurden die Tiere in verschiedenen Ländern aufgezogen, muss das ebenfalls auf der Verpackung vermerkt sein. Im Folgenden in Auszügen die Verordnung (EU) 1337/2013:

Art. 1 Gegenstand und Geltungsbereich
Es werden die Bestimmungen über die Angabe des Ursprungslandes beziehungsweise des Herkunftsortes auf dem Etikett von frischem, gekühltem oder gefrorenem Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch festgelegt.

Art. 2. Begriffsbestimmungen
Es gelten für diese Verordnung die Begriffsbestimmungen für „Lebensmittelunternehmer“ aus der Verordnung (EG) Nr. 178/ 2002, für „Betrieb“ aus der Verordnung (EG) 852/2004, sowie für „Hackfleisch“, „Schlachthof“ und „Zerlegungsbetrieb“ aus der Verordnung (EG) Nr. 853/2004.
Ferner sind definiert:

a) „Fleischabschnitte“; kleine Fleischstücke, die in die in Anhang XI der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 aufgeführten Codes der Kombinierten Nomenklatur fallen, als für den Verzehr für den Menschen geeignet eingestuft werden sowie ausschließlich beim Parieren anfallen und beim Entbeinen der Schlachtkörper und/oder beim Zerlegen von Fleisch gewonnen werden;

b) „Partie“, Fleisch, das in die in Anhang XI der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 aufgeführten Codes der Kombinierten Nomenklatur fällt und von einer einzigen Tierart stammt, mit oder ohne Knochen, auch Teilstücke oder Hackfleisch/Faschiertes, und das unter praktisch gleichen Bedingungen zerlegt, gehackt oder verpackt wurde.

Art. 3 Rückverfolgbarkeit
Die Lebensmittelunternehmer müssen ein Kennzeichnungs- und Registrierungssystem einrichten und dies in allen Stufen der Produktion und des Vertriebs des in Art. 1 genannten Fleisches nutzen. Durch die Anwendung des Systems muss sichergestellt sein, dass:

a) die Verbindung zwischen dem etikettierten Fleisch und dem Tier oder der Gruppe von Tieren, von denen das Fleisch stammt, erhalten bleibt, wobei auf der Stufe des Schlachtens der jeweilige Schlachthof dafür die Verantwortung trägt;

b) die Informationen bezüglich der in den Artikeln 5 (Fleischetikettierung),
6 (Ausnahmeregelungen für Fleisch aus Drittländern) oder 7 (Ausnahmeregelungen für Hackfleisch / Faschiertes und Fleischabschnitte) genannten Angaben –wie jeweils anwendbar – zusammen mit dem Fleisch an die Unternehmer in den nachfolgenden Produktions- und Vertriebsstufen übermittelt werden. Jeder Lebensmittelunternehmer trägt in seiner Produktions- oder Vertriebsstufe die Verantwortung für die Anwendung des Kennzeichnungs- und Registrierungssystems.

Derjenige Lebensmittelunternehmer, der das Fleisch entsprechend den Art. 5, 6 oder 7 verpackt oder etikettiert, stellt sicher, dass die Zuordnung zwischen der Partienummer, mit der das Fleisch gekennzeichnet wird, das an Verbraucher oder Anbieter von Gemeinschaftsverpflegung abgegeben wird, und der/den entsprechenden Fleischpartie(n), aus der/denen die Packung oder die etikettierte Partie stammt, hergestellt wird. Allen Packungen mit derselben Partienummer können dieselben Angaben im Einklang mit den Art. 5, 6 oder 7 zugeordnet werden. Mit dem o. a. und einzurichtenden Kennzeichnungs- und Registriersystem soll im Rahmen der Rückverfolgbarkeit insbesondere erfasst werden, wann Tiere, Schlachtkörper oder Teilstücke – wie jeweils zutreffend – in dem Betrieb eines Lebensmittelunternehmers ankommen und wann sie ihn wieder verlassen, und so Zuordnungen zwischen Ankunft und Verlassen sichergestellt werden.

Art. 4 Tiergruppe
Die Größe der in Art. 3 genannten Tiergruppe entspricht:

a) beim Zerlegen von Schlachtkörpern der Anzahl von Schlachtkörpern, die zusammen zerlegt werden und für den betreffenden Zerlegungsbetrieb eine Partie darstellen;
b) bei der Feinzerlegung oder beim Hacken/Faschieren des Fleisches der Anzahl von Schlachtkörpern, deren Fleisch für den betreffenden Zerlegungs- oder Hackfleischbetrieb eine Partie darstellt.
Die Größe einer Partie darf den Umfang einer Tagesproduktion in einem Betrieb nicht überschreiten. Außer in Fällen, in denen Art. 7 (Ausnahmeregelungen für Hackfleisch/Faschiertes und Fleischabschnitte) zur Anwendung kommt, stellen Betriebe, in denen Fleisch zerlegt oder gehackt wird, bei der Zusammenstellung der Partien sicher, dass alle Schlachtkörper einer Partie Tieren zugeordnet werden können, für deren Fleisch gemäß Art. 5 Abs. 1 (Fleischetikettierung) oder Art. 5 Abs. 2 die gleichen Etikettierungsangaben gelten.

Art. 5 Fleischetikettierung
(1) Das Etikett von in Art. 1 genanntem Fleisch, das für die Abgabe an Endverbraucher oder Anbieter von Gemeinschaftsverpflegung bestimmt ist, enthält folgende Angaben:

a) den Mitgliedstaat bzw. das Drittland, in dem die Aufzucht stattgefunden hat, in Form der Angabe „Aufgezogen in: (Name des Mitgliedstaats bzw. Drittlands)“, gemäß den folgenden Kriterien:

i) bei Schweinen:
  • wenn das Tier im Alter von mehr als sechs Monaten geschlachtet wird, den Mitgliedstaat bzw. das Drittland des letzten Aufzuchtsabschnitts von mindestens vier Monaten;
  • wenn das Tier im Alter von weniger als sechs Monaten und mit einem Lebendgewicht von mindestens 80 kg geschlachtet wird, den Mitgliedstaat bzw. das Drittland des Aufzuchtsabschnitts, nachdem das Tier ein Lebendgewicht von 30 kg erreicht hat;
  • wenn das Tier im Alter von weniger als sechs Monaten und mit einem Lebendgewicht unter 80 kg geschlachtet wird, den Mitgliedstaat bzw. das Drittland, in dem die gesamte Aufzucht stattgefunden hat;
ii) bei Schafen und Ziegen:
  • den Mitgliedstaat bzw. das Drittland des letzten Aufzuchtsabschnitts von mindestens sechs Monaten oder, wenn das Tier im Alter von weniger als sechs Monaten geschlachtet wird, den Mitgliedstaat bzw. das Drittland, in dem die gesamte Aufzucht stattgefunden hat;
iii) bei Geflügel:
  • den Mitgliedstaat bzw. das Drittland des letzten Aufzuchtsabschnitts von mindestens einem Monat oder, wenn das Tier im Alter von weniger als einem Monat geschlachtet wird, den Mitgliedstaat bzw. das Drittland, in dem die gesamte Aufzucht nach Beginn der Mast stattgefunden hat;
b) den Mitgliedstaat bzw. das Drittland, in dem die Schlachtung stattgefunden hat, in Form der Angabe „Geschlachtet in: (Name des Mitgliedstaats bzw. Drittlands)“;

c) die Partienummer zur Kennzeichnung des Fleisches, das an Verbraucher oder Anbieter von Gemeinschaftsverpflegung abgegeben wird.

Die nachfolgenden Regelungen für die Etikettierung gelten, wenn die zuvor unter Buchstabe a) vorgegebenen Aufzuchtsabschnitte nicht erreicht wurden:
  • Wenn der erforderliche Aufzuchtsabschnitt gemäß Buchstabe a) in keinem der Mitgliedstaaten bzw. Drittländer, in denen das Tier aufgezogen wurde, erreicht wurde, wird die unter Buchstabe a) genannte Angabe ersetzt durch „Aufgezogen in mehreren Mitgliedstaaten der EU“ bzw., wenn das Fleisch oder die Tiere in die Union eingeführt wurden, durch „Aufgezogen in mehreren Nicht-EU-Ländern“ oder „Aufgezogen in mehreren EU- und Nicht-EU-Ländern“.
  • Wenn der erforderliche Aufzuchtsabschnitt gemäß Buchstabe a) in keinem der Mitgliedstaaten bzw. Drittländer, in denen das Tier aufgezogen wurde, erreicht wurde, kann die unter Buchstabe a) genannte Angabe auch ersetzt werden durch „Aufgezogen in: (Aufzählung der Mitgliedstaaten oder Drittländer, in denen das Tier aufgezogen wurde)“, wenn der Lebensmittelunternehmer der Behörde gegenüber hinreichend nachweist, dass das Tier in diesen Mitgliedstaaten oder Drittländern aufgezogen wurde.
Weitere Ausnahmen:
(2) Anstelle der Angaben in Abs. 1 Buchstaben a) und b) kann auch die Angabe „Ursprung: (Name des Mitgliedstaats oder Drittlands)“ stehen, wenn der Lebensmittelunternehmer der zuständigen Behörde gegenüber hinreichend nachweist, dass das in Art. 1 genannte Fleisch von Tieren stammt, die in einem einzigen Mitgliedstaat geboren, aufgezogen und geschlachtet wurden.

(3) Wenn mehrere Stücke Fleisch derselben oder verschiedener Tierarten verschiedenen Etikettierungsangaben im Einklang mit den Absätzen 1 und 2 entsprechen und an Verbraucher oder Anbieter von Gemeinschaftsverpflegung zusammen in einer Verpackung abgegeben werden, ist auf dem Etikett anzugeben:

a) für jede Tierart die Aufzählung der betreffenden Mitgliedstaaten oder Drittländer entsprechend Abs.1 oder 2;
b) die Partienummer zur Kennzeichnung des Fleisches, das an Verbraucher oder Anbieter von Gemeinschaftsverpflegung abgegeben wird.

Art. 6 Ausnahmeregelung für Fleisch aus Drittländern
In Abweichung von Art. 5 Abs.1 Buchstabe a) enthält das in Art.1 genannte Fleisch, das zum Zwecke des Inverkehrbringens in der Union eingeführt wird und für das die in Art. 5 Abs. 1 Buchstabe a) vorgesehenen Informationen nicht verfügbar sind, die Angaben „Aufgezogen außerhalb der EU“ und „Geschlachtet in: (Name des Drittlands, in dem das Tier geschlachtet wurde)“.

Art. 7 Ausnahmeregelungen für Hackfleisch/Faschiertes und Fleischabschnitte
Abweichend von Art. 5 Abs.1 Buchstaben a) und b) , Art. 5 Abs. 2 und Art 6 sind bei Hackfleisch/Faschiertem und Fleischabschnitten folgende Angaben möglich:

a) „Ursprung: EU“, wenn das Hackfleisch/Faschierte oder die Fleischabschnitte ausschließlich aus Fleisch hergestellt wurden, das von Tieren stammt, die in verschiedenen Mitgliedstaaten geboren, aufgezogen und geschlachtet wurde.
b) „Aufgezogen und geschlachtet in der EU“, wenn das Hackfleisch/Faschierte oder die Fleischabschnitte ausschließlich aus Fleisch hergestellt wurden, das von Tieren stammt, die in verschiedenen Mitgliedstaaten aufgezogen und geschlachtet wurden;
c) „Aufgezogen und geschlachtet außerhalb der EU“, wenn das Hackfleisch oder die Fleischabschnitte ausschließlich aus Fleisch hergestellt wurde, das in die Union eingeführt wurde;
d) „Aufgezogen außerhalb der EU“ und „Geschlachtet in der EU“, wenn das Hackfleisch oder die Fleischabschnitte ausschließlich aus Fleisch hergestellt wurde, das von Tieren stammt, die zur Schlachtung in die Union eingeführt und in einem oder mehreren Mitgliedstaaten geschlachtet wurden;
e) „Aufgezogen und geschlachtet in und außerhalb der EU“, wenn das Hackfleisch oder die Fleischabschnitte hergestellt wurden aus:
i) Fleisch, das von Tieren stammt, die in einem oder mehreren Mitgliedstaaten aufgezogen und geschlachtet wurden, und aus Fleisch, das in die Union eingeführt wurde, oder
ii) Fleisch, das von Tieren stammt, die in die Union eingeführt und in einem oder mehreren Mitgliedstaaten geschlachtet wurden.

Art. 8 Zusätzliche freiwillige Angaben auf dem Etikett
Lebensmittelunternehmer können die in den Art. 5, 6 oder 7 genannten Angaben mit zusätzlichen Informationen zur Herkunft des Fleisches ergänzen. Allerdings dürfen die zusätzlichen Informationen gemäß dem ersten Absatz nicht im Widerspruch zu den in den Artikeln 5, 6 oder 7 genannten Angaben stehen und müssen den Bestimmungen von Kapitel V der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 entsprechen.

Art. 9 Inkrafttreten und Anwendbarkeit
Die Verordnung ist am 17.12. 2013 in Kraft getreten und gilt ab 1.4.2015. Sie gilt nicht für Fleisch, das vor dem 1.4.2015 in der Union ordnungsgemäß in Verkehr gebracht worden ist, solange bis die jeweiligen Bestände erschöpft sind.

(Quelle: Amtsblatt der Europäischen Union 2013; Nr. L 335/19)

23.01.2014, CZ - Redaktion food-service / gv-praxis




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